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Wenn Kinder ausrasten

Foto: Imago
Ein Junge während einer lustigen Kissenschlacht? Nein, dieses Kind hat gerade einen Aggressionsschub und reagiert derart auf sein Umfeld.

Wenn Kinder ausrasten

Von: Nathalie Thome | 26. November 2017
Auffälliges Verhalten von Kindern und Jugendlichen – eine Herausforderung für die Familie. Mit diesem Thema beschäftigt sich die „Paulinus“-Lebensberatung.

„Unser Kind reagiert sehr aggressiv auf Lappalien, es rastet regelrecht aus, ohne für uns erkennbaren Grund, außerdem kann es sich in der Schule nicht konzentrieren. Zu Hause ist dies auch nicht besser. Das ist doch nicht mehr normal. Wir wollten es schon in der Kinder- und Jugendpsychiatrie anmelden.“

Mit solchen Sorgen wenden sich Eltern an die Lebensberatungsstelle. Oft beziehen sie sich auf Informationen aus dem Internet, welche zu Verunsicherung führen und zu einem einfachen Ursache-Folge-Denken verleiten, in dem Sinne: Mein Kind zeigt auffälliges Verhalten, also hat es eine Störung. Wenn es keine körperliche Ursache gibt, muss es ja eine psychische sein. Manchmal wird diese Denkweise dadurch verstärkt, dass auch Lehrpersonen oder Bekannte äußern, dass das Kind kein „normales“ Verhalten zeige.

Stressige Zeiten der Veränderung

Eltern verlieren dabei häufig aus dem Blick, dass die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Phasen verläuft, in denen jeweils unterschiedliche Reifungsprozesse und Entwicklungsaufgaben bewältigt werden müssen.

Diese normalen Entwicklungsphasen an sich sind für Kinder und Jugendliche schon belastende Zeiten der Veränderung und meist sehr stressig. Beispielsweise erfordert der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule Fähigkeiten zur Konzentration und zum Stillsitzen. Die Kinder müssen neu lernen, sich zu behaupten und ihren Platz im Klassenverband zu finden. Bei Einschulungskindern zeigt sich oft in diesen Umbruchsituationen aufmerksamkeitsforderndes, aggressives oder auch ängstliches Verhalten.

Ebenso stellt die Phase der Pubertät eine belastende Zeit für die Kinder und Jugendlichen dar. Neben den körperlichen Veränderungen und der hormonellen Umstellung gehören die Entwicklung von Autonomie und die Selbstfindung zu den zentralen Aufgaben, die die jungen Menschen meistern müssen. Das zunehmende Selbstständigkeitsstreben führt häufig zu massiven Konflikten mit den Eltern.

Werden die Kinder und Jugendlichen während diesen Entwicklungs- und Umbruchszeiten zusätzlich mit äußeren kritischen Lebensereignissen konfrontiert (zum Beispiel Trennung der Eltern, Verlust wichtiger Bezugspersonen, Krankheit der Eltern), können sie sich überfordert und stark belastet fühlen. Dies können junge Menschen oft nicht in Worte fassen und reagieren stattdessen mit auffälligem Verhalten.

Viele Eltern, die wegen problematischer Verhaltensweisen ihrer Kinder und Heranwachsenden die Beratungsstelle aufsuchen, sind verzweifelt und wissen nicht weiter. Oft leidet die ganze Familie. In Gesprächen mit den Eltern, Einzelarbeit mit dem Kind oder auch Familiengesprächen versuchen wir die Hintergründe, Zusammenhänge und Beziehungsmuster, die vermutlich zu den beschriebenen Auffälligkeiten führen, zu klären. Entsteht während der Beratung der Eindruck, dass eine weitergehende psychiatrische Diagnostik notwendig ist, wird zur Klärung an eine entsprechende Fachstelle verwiesen.

Im weiteren Beratungsprozess wird mit den Eltern erarbeitet, was sie gemeinsam tun können, um ihrem Kind zu helfen, die Schwierigkeiten zu überwinden. Im Bedarfsfall wird das Kind oder der Jugendliche in Beratungskontakten in kindgemäßer Form bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben oder aktuellen Belastungen unterstützt. In Familiengesprächen werden Veränderungen im Familiensystem angestoßen, die dazu führen können, dass sich das Miteinander verbessert und sich sowohl die jungen Menschen als auch die Eltern im Familienverbund wieder wohler fühlen.

Umfassende Sichtweise der Berater

Die Arbeit des Teams der Lebensberatung ist dadurch gekennzeichnet, dass das auffällige Verhalten von Kindern und Jugendlichen auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet wird. Bei der Klärung werden Entwicklungsaspekte, das System Familie, das soziale Umfeld und die Wechselwirkungen dieser verschiedenen Aspekte berücksichtigt. Auf Grundlage dieser umfassenden Sichtweise werden angemessene Veränderungsschritte mit allen Beteiligten erarbeitet.

  • Info
    Insgesamt gibt es – von Ahrweiler bis Wittlich – 20 Lebensberatungsstellen des Bistums Trier, an die sich jede und jeder Ratsuchende wenden kann. Der zuständige Arbeitsbereich im Generalvikariat wird geleitet von Dr. Andreas Zimmer. Kontaktadresse: Lebensberatung im Bistum Trier, Bischöfliches Generalvikariat, Mustorstraße 2, 54290 Trier, Telefon (06 51) 71 05-2 79,
    E-Mail beratung@bgv-trier.de, Internet www.lebensberatung.info.

    Zahlreiche weitere Artikel sind im Internet unter www.paulinus.de in der Rubrik „Lebensberatung im Paulinus“ zu finden.



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  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




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