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Marx bietet Papst Rücktritt an

Foto: KNA
Kardinal Reinhard Marx gibt am 4. Juni in München vor Journalisten bekannt, dass er sein Rücktrittsgesuch bei Papst Franziskaus eingereicht habe.

Marx bietet Papst Rücktritt an

Von: KNA/red/bs | 13. Juni 2021
Das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen.

Marx hatte Papst Franziskus gebeten, seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen und über seine weitere Verwendung zu entscheiden. In einem Brief vom 21. Mai an den Heiligen Vater legte der Kardinal seine Gründe für diesen Schritt dar. Papst Franziskus teilte Kardinal Marx mit, dass dieses Schreiben nun veröffentlicht werden könne und dass der Kardinal bis zu einer Entscheidung seinen bischöflichen Dienst weiter ausüben solle. Das gab Marx am 4. Juni bekannt.

In seinem Brief an den Papst schreibt Marx: „Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten.“ Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es „viel persönliches Versagen und administrative Fehler“ gegeben habe, aber „eben auch institutionelles oder systemisches Versagen“.

Das Evangelium kommt vor dem Amt

Es sei seine „ganz persönliche Entscheidung“ gewesen, erklärte Marx. Diese habe er mit seinem Gewissen getroffen und nur mit einem kleinen Kreis beraten. Zugleich betonnte er: „Ich bin nicht amtsmüde, ich bin nicht demotiviert. Sicher nicht.“ Die Gesellschaft brauche das christliche Evangelium, aber dazu brauche es auch eine Kirche, die sich immer wieder erneuere.

Mit seinem Schritt wolle er nicht auf andere Mitbrüder im bischöflichen Amt einwirken. Jeder müsse seine Verantwortung auf seine Weise wahrnehmen; „da kann ich keinem Vorschriften machen und möchte es auch nicht“.

Der 1953 in Geseke/Westfalen geborene Marx gehört zu den international bekanntesten Vertretern des deutschen Episkopats. Er wurde am 20. Dezember 2001 zum Bischof von Trier und am 30. November 2007 zum Erzbischof von München und Freising ernannt. 2010 folgte die Erhebung zum Kardinal. Von 2012 bis 2018 war er Präsident der EU-Bischofskommission und von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2014 ist er Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrates.

Das Rücktrittsgesuch des Kardinals stieß bei Vertretern von Kirche und Verbänden auf Respekt und Bedauern. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, Marx habe für die Kirche in Deutschland und weltweit Wegweisendes geleistet. Er werde auch weiter gebraucht. Er sei sich mit Marx einig, dass die Kirche fundamentale Reformen statt „Schönheitsreparaturen“ brauche. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, zeigte sich „tief erschüttert“ und meinte: „Da geht der Falsche.“ Das bestätigte Bätzing im ZDF-Spezial am Abend des 4. Juni.

„Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx hat mich überrascht“, erklärte der Bischof von Trier, Stephan Ackermann. „Ich zolle dem Kardinal, der ja mein Vorgänger als Bischof von Trier ist, Respekt dafür. Ich verstehe sein Rücktrittsangebot als starkes Zeichen, dass er mit dieser persönlichen Entscheidung Verantwortung übernehmen will für die Verbrechen sexualisierter Gewalt in unserer Kirche; dass er dies aber auch tut im Namen der Institution, in der er als Erzbischof und Kardinal große Verantwortung trägt.

Es ist offensichtlich, dass sein Schritt erneut alle deutschen Bischöfe herausfordert, sich mit der Frage nach der Verantwortungsübernahme und dem Angebot eines Rücktritts auseinanderzusetzen. Mir selbst ist diese Frage auch nicht fremd. Sicher werden wir darüber auch im Kreis der deutschen Bischöfe insgesamt diskutieren müssen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat es in seinem Statement betont: Die Verbrechen haben systemische Schwachstellen in der Kirche offengelegt, die ebenso nach systemischen Antworten rufen. Und so verstehe ich das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx auch als Zeichen für die notwendige Erneuerung der Kirche aus dem Evangelium heraus. Als Bischof von Trier will ich weiterhin Verantwortung übernehmen, indem ich den Prozess der Aufarbeitung und der Missbrauchsbekämpfung aktiv gestalte, wo es möglich ist, und ihn dort, wo es vorgesehen und nötig ist, in die Unabhängigkeit einer Aufarbeitungskommission gebe und diese mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln unterstütze. Dieser institutionelle Aufarbeitungsprozess kommt in unserem Bistum gerade in Gang und dafür bin ich dankbar.“

Außerordentliches Zeichen, das Hochachtung verdient

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erklärte: „Dieser Schritt wird, weil der Kardinal so eine wichtige Figur in der Kirche in Deutschland ist, seine Wirkung haben.“ Für Erneuerung brauche es starke Menschen. Die Kirche befinde sich an einem Wendepunkt, kein Stein werde auf dem anderen bleiben, so Bode.

Der deutsche Kinderschutz-Experte Hans Zollner von der Päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom bezeichnete Marx’ Angebot als „ein außerordentlich wichtiges Zeichen, das große Hochachtung verdient“. Dieser zeige damit, „dass die Botschaft und die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Amtsträger wichtiger sind als die persönliche Stellung“. Der Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, sagte, er habe Marx als einen Geistlichen erlebt, „der bereit war zuzuhören“. Marx habe verstanden, dass man nur durch eine Übernahme von Verantwortung einen Neuanfang machen könne.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte: „Alle deutsche Bischöfe werden sich nun an dieser souveränen und Größe zeigenden Bereitschaft zum Amtsverzicht und damit zur Übernahme von Verantwortung messen lassen müssen.“

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bekundete zwar ebenfalls Respekt. „Wir sagen aber auch ganz klar: Kardinal Marx hat seine Mitverantwortung an den Vorgängen des Missbrauchs und der Vertuschung in der katholischen Kirche eingeräumt; deshalb ist sein Rücktritt der richtige Schritt“, sagte die Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, bekundete seinerseits Respekt. Dieser Schritt zeige die Dimension und die Verwerfungen auf, zu denen das Bekanntwerden von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen geführt habe. Der Leiter des Sozialinstituts „Kommende Dortmund“, Peter Klasvogt, erklärte, der Kardinal sei kein „Betonkopf und kein Hardliner“. Er sei „in seinem Glauben angefochten angesichts des unfassbaren Leids“.



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