Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
Engagiert für den Frieden in unfriedlichen Zeiten

Foto: Markus Nowak
Die Lehrerin Elena Wisniewski mit einer Schülerin an der Tafel.

Engagiert für den Frieden in unfriedlichen Zeiten

Von: Markus Nowak | 19. Mai 2024
Auf den letzten Metern vor der Stadt Bender, eine Autostunde südöstlich von Chișinău, wird die Straße holprig. Der alte VW-Bus von Pater Roman Gorincioi
schluckt tapfer die Schlaglöcher und schaukelt. Bald sind auch die Grenzbeamten zu sehen –  zuerst die der Republik Moldau, dann die von Transnistrien. Letztere fragen Pater Roman, ob er etwas zu verzollen hat. „Manchmal durchsuchen sie mein Gepäck“, sagt er, als er die Grenze passiert. Seine Einkäufe und persönlichen Dinge versucht er daher immer so im Bus zu verteilen, dass sie keinen
Verdacht erwecken und er schnell durchgewunken wird. 

Bevor er in Bender einfährt, passiert Pater Roman noch einen Posten mit schwerbewaffneten Soldaten mit blau-weiß-roten Abzeichen. „Das sind die  sogenannten Friedenstruppen. Rund 1500 gibt es von ihnen, sie wurden von Moskau geschickt.“ Anfang der 1990er Jahre war das, sagt der 38-Jährige. Er war sechs Jahre alt, als 1991 die Sowjetunion auseinanderbrach. Kurz darauf erklärten  sich Separatisten am Ostufer des Dniestr für unabhängig von der sich gerade konstituierenden Republik Moldau. 1992 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Chișinău und der abtrünnigen Region.

Eingefrorener Konflikt seit 30 Jahren

Heute hat Transnistrien zwar eine eigene Regierung und eine eigene Währung, wird aber von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt – eine Situation, die häufig als „eingefrorener Konflikt“ bezeichnet wird. Der Politikwissenschaftler Ivan Țurcan stellt diese Bezeichnung jedoch in Frage. Er arbeitet für die Regierung in Chișinău im „Büro für Reintegration“. Dieses Amt versucht, die Lebensumstände der beiden Konfliktparteien anzupassen, etwa mit Studienzuschüssen für Studierende aus Transnistrien. „Kann man es noch als einen eingefrorenen Konflikt bezeichnen, wenn die Menschen keine Meinungsfreiheit haben und sich nicht frei bewegen dürfen?“, lautet die rhetorische Frage von Ivan Țurcan im Hinblick auf die Situation in Transnistrien. Dort würden die Menschen täglich mit Menschenrechtsverletzungen des Regimes in Tiraspol konfrontiert, berichtet er.

Auf diplomatischer Ebene versuchendie Republik Moldau und Transnistrien, sich mit langsamen Schritten anzunähern. Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat jedoch die Fronten zwischen der EU-freundlichen Regierung in Chișinău und der prorussischen in Tiraspol, der „Hauptstadt“ Transnistriens, wieder verhärtet. Mit Pater Roman geht es in Richtung Tiraspol. Er ist einer von sieben Herz-Jesu-Priestern, die in der abtrünnigen Region Transnistrien für die katholischen Gläubigen da sind. Der Pater ist erst seit einem halben Jahr wieder zurück in Moldau, zuvor lebte er mehrere Jahre in Deutschland – erst in Berlin, später im Bistum Trier, wo er in der Pfarreiengemeinschaft Ulmen Kaplan war.

Fake-News heizen Konflikte an

Auf die Frage, wie die Menschen auf den russischen Angriffskrieg im Nachbarland Ukraine reagieren, lässt er lieber Pater Piotr Kuszman antworten. Kuszman ist polnischer Ordensmann und lebt seit 30 Jahren in der Region. Sein Anliegen war es, nach dem Transnistrien-Krieg für die Menschen mit ihren Traumata da zu sein – Traumata, die bis heute vorhanden seien, sagt Pater Piotr. Er berichtet von einer prorussischen und antiwestlichen Haltung der Bevölkerung in der abtrünnigen Region, eine Mehrheit wolle tatsächlich einen „Sieg Russlands über die Ukraine“. Der Pater: „Anfangs habe ich noch angesprochen, welch’ Ungerechtigkeit und Unglück jeder Krieg ist“, erinnert sich der 60-Jährige. Eine Reaktion der Gläubigen sei jedoch ausgeblieben. Er ergänzt: „Jetzt beten wir immerhin für den Frieden“, aber Flüchtlingshilfe leistet der Priester allein.
[...]




Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreise 2024

Die nächste „Paulinus“-Leserreise führt vom 28. September bis 5. Oktober nach Kroatien. Die dalmatinische Küste Kroatiens zählt zu einer der malerischsten Europas. Unzählige vorgelagerte Inseln, herrlich verträumte Buchten, ein kristallklares Meer sowie die einzigartigen Städte Dubrovnik, Split und Trogir (deren Altstädte stehen unter dem Schutz der Unesco) werden Sie verzaubern.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Priesterweihe 2024
    Am 18. Mai wird Bischof Dr. Stephan Ackermann um 10 Uhr im Hohen Dom zu Trier drei Diakone zu Priestern weihen. Einer davon ist Adrian Sasmaz. Im Video erzählt er, warum er Priester werden möchte und worauf er sich nach der Weihe besonders freut (Video: Sarah Schött).
  • Miss Germany im Kloster Püttlingen
    Früher war es ein reiner Schönheitswettbewerb, heute gehe es mehr und mehr um Inhalte, erklärt Kira Geiss. Die 21 Jahre alte „Miss Germany 2023” hat im Kloster Heilig Kreuz in Püttlingen im Rahmen der Veranstaltung „Miss Germany meets Jesus“ über ihren Lebens- und Glaubensweg berichtet. Der Abend stand unter dem Motto „Wofür brennst Du?“ (Video: Sarah Schött)
  • Neues Domkreuz
    Rechtzeitig zum Jubiläum der Wiederweihe des Trierer Doms ist es an Ort und Stelle: das neue Kreuz auf der Heiltumskammer.
  • Alois Peitz über die Domrenovierung
    Wer Erinnerungen an die Domrenovierung sucht, sollte unbedingt mit Alois Peitz sprechen. Der Architekt sprudelt nur so über von Fakten und Geschichten. Als Geschäftsführer der Dombau-Kommissionen hatte er große Verantwortung (Video: Christine Cüppers).
  • Forum Engagement
    Zusammen haben sie das Forum Engagement als "Zugabe" zu den Heilig-Rock-Tagen organisiert: Marianna Barachino, Michaela Tholl, Elke Müller, Dr. Thomas Fößel, Melanie Engelmann und Stefan Nober (von links) freuen sich auf viele interessierte Gäste am 27. April (Video: Christine Cüppers).
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: