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Schmerzliche Entscheidungen

Foto: KNA
Besucher sitzen bei einer Veranstaltung am 1. Juli auf Stühlen in der Kirche Sankt Laurentius in Ahrweiler. Der Bodenbelag ist entfernt, Kunstwerke sind zum Schutz mit Tüchern eingepackt, Bereiche mit Flatterband abgesperrt.

Schmerzliche Entscheidungen

Von: Anna Fries | 10. Juli 2022
Die Flut beschädigte 26 Kirchen im Bistum Trier, einige massiv. Nach den groben Aufräumarbeiten stehen nun Entscheidungen an: Abreißen oder renovieren?

Bautrockner brummen in Sankt Laurentius. 1,5 Meter hoch standen Wasser und Schlamm im Juli 2021 in der Kirche in Ahrweiler. Die Feuchtigkeit sitzt noch immer tief, wie dunkelbraune Stellen in der Erde erkennen lassen. Helfer bauten den Marmorboden aus und stemmten den Putz an den Wänden ab. Weiße Folien verhüllen die Figuren an Säulen und Wänden, sollen sie vor Feuchtigkeit, Schimmel und Staub schützen. Die Orgel ist eingenistet. Kabel verlaufen quer durch die Kirche, am Rand stehen Schubkarren, Besen, Eimer. Licht, das durch drei große Chorfenster fällt, hüllt den leeren Kirchenraum in blau-rot-orange Töne.

Laurentius ist seit der Flut geschlossen. Zu besonderen Gelegenheiten finden in der Baustelle dennoch Gottesdienste statt, beispielsweise zum Jahrestag der Flut. Vielen Menschen fehle ihre vertraute Kirche, sie wollten sehen, dass sich etwas tue, sagt Pastor Heiko Marquardsen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Hochwasser beschädigte 22 Gebäude der Pfarrei, einige massiv; neben Laurentius zwei große Kirchen und zwei Kapellen, dazu Kitas, Pfarrhäuser und Pfarrheime.

Handwerker und Material sind schwer zu bekommen

Im ganzen Bistum Trier traf das Hochwasser 59 kirchliche Objekte – die meisten davon im Ahrtal. Die Kosten für die Wiederherstellung schätzt das Bistum bislang grob auf mindestens 34 Millionen Euro. Dort, wo kirchliche Immobilien bereits saniert werden, liefen die Arbeiten schleppend, sagt Bistumsarchitekt Thomas von Stein. Ingenieure und Handwerker seien kaum zu bekommen, Materialien durch den Krieg in der Ukraine und die Pandemie knapp, Lieferzeiten sehr lang.

Gutachten bescheinigen dazu einige wirtschaftliche Totalschäden; etwa im Fall der Kirchen Sankt Pius in Bad Neuenahr und Sankt Andreas in Ahrbrück. Die Flut erzwingt Entscheidungen, zusätzlich zur allgemeinen Kirchenkrise und Pfarreifusionen. Und so stehen in den Gemeinden schmerzliche Schritte an.

Die Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler hat dazu einen Beteiligungsprozess gestartet, fragt die Bürger nach Ideen und Wünschen für das kirchliche Leben. „Im Kern geht es um die Frage: Wie können wir Kirche neu denken“, sagt Norbert Welsch, der seit Februar für Immobilien und Finanzen der Pfarrei zuständig ist. Welsch wertet die Rückmeldungen der „Zukunftswerkstatt“ aus. Am Ende soll ein Immobilienkonzept stehen: Was wird aufgebaut und in welcher Form, wovon trennt man sich, wie sieht kirchliche Infrastruktur künftig aus. Pfarrer Jörg Meyrer wünscht sich nachhaltige, gemeinschaftliche, offene Orte. Welsch sagt, eine Herausforderung werde, die „nüchterne kaufmännische Sicht“ mit der „emotionalen Sicht“ zusammenzubringen.

Kirche in Ahrbrück wird entweiht und abgerissen

In Ahrbrück hingegen steht bereits fest: Sankt Andreas wird entweiht und abgerissen. Ein Termin steht noch aus. Entschieden hat das Bistum, auf Bitte des Kirchengemeinderats, so heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Bischof Stephan Ackermann spricht von einer schmerzlichen Entscheidung. Mit Blick auf das „große Ganze“ könne er einen Wiederaufbau der Kirche aber nicht verantworten. Unmittelbar hinter der Kirche fließt die Ahr entlang. Das Gelände sei bei künftigen Starkregen gefährdet, erneut geflutet zu werden.

Auch die hohen Sanierungskosten von mindestens 2,5 Millionen Euro spielen eine Rolle. Den Eigenanteil kann die Kirchengemeinde nicht stemmen. Aber auch abseits der Finanzen stellt sich die Frage, für wen Sankt Andreas wieder aufgebaut werden sollte, zumal es in den umliegenden Gemeinden Kirchen gibt.

So erklärt der Ahrbrücker Pfarrer Axel Spiller in einer Stellungnahme: „Wir können die großen Gebäude nicht mehr füllen.“ Nur zu besonderen Gelegenheiten seien die Reihen in den vergangenen Jahren gut besetzt gewesen. Die Kirche zu erhalten, „wäre nicht ehrlich und würde den Blick von den sichtbaren Entwicklungen verschließen“.

Dennoch sorgt die Entscheidung für Unmut. Unterstützer der Kirche haben an die Außenwand ein Banner befestigt. Es zeigt ein Bild der Kirche, zugeordnet Worte wie Geborgenheit, Zuflucht, Familie, Hoffnung, Begegnung. Und eine Abrissbirne mit Zusatz „Bistum Trier“, die droht, das Gebäude zum Einsturz zu bringen.




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