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Wir waren Papst

Foto: KNA
An vielen Orten in Deutschland lebt die Erinnerung an Benedikt XVI. weiter. Hier ein Blick auf das Heimatmuseum in Marktl am Inn.

Wir waren Papst

Von: Christoph Arens | 15. Januar 2023
Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land, heißt es in der Bibel. Die Deutschen taten sich schwer mit Joseph Ratzinger.

„Dass ein Deutscher die Nachfolge von Johannes Paul II. antrat, war von historischer Bedeutung für unser Land“, ordnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck nach dem Rücktritt Benedikts XVI. im Februar 2013 das Pontifikat des bayerischen Theologenpapstes ein.

Doch der deutsche Papst wurde zuhause besonders kritisch beobachtet. Zugleich wurde das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken im Ausland immer auch als Deutscher gesehen. Schon bei der Papstwahl am 19. April 2005: Während die „Bild“-Zeitung „Wir sind Papst“ jubelte, titelten britische Boulevardzeitungen „Panzerkardinal“ und verwiesen auf Ratzingers Mitgliedschaft in der Hitlerjugend.

Auch bei seinen Besuchen in Israel und Auschwitz stand Benedikt XVI. als „Sohn des deutschen Volkes“ unter Beobachtung. Meist allerdings gab es positive Reaktionen – so dass der Philosoph Peter Sloterdijk von einem historischen Einschnitt sprach: „Ein deutscher Name kann wieder ein Integritätssymbol höchsten Niveaus darstellen.“

Seit 1981 lebte Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Dabei hat er wahrgenommen, dass seine Landsleute ihn besonders intensiv unter die Lupe nahmen. „Dass es im katholischen Deutschland eine beträchtliche Schicht gibt, die darauf wartet, auf den Papst einschlagen zu können, ist eine Tatsache“, hat er erklärt.

Konflikte gab es schon lange vor der Papstwahl: etwa weil Rom, auch auf Betreiben Kardinal Ratzingers, katholische Schwangerenberatung untersagte, die eine straffreie Abtreibung ermöglicht. Deutsche Medien zeichneten das Bild vom Großinquisitor, der Theologen maßregelte, die Befreiungstheologie einzudämmen suchte und die Ökumene behinderte.

Mit der Papstwahl schien zunächst Vieles vergessen. Der bescheiden auftretende Bayer entwickelte einen ganz eigenen Charme, etwa als er auf dem Weltjugendtag in Köln mit einer Million Menschen Gottesdienst feierte.

Doch seitdem kühlte sich das Verhältnis wieder ab. So sehr, dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner 2009 erklärte, die Deutschen schlügen auf den Papst ein, dass man sich „wirklich schämen muss“.

Zu einem Eklat kam es nach der Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft: Als Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst 2009 aufforderte, seine Haltung zur Holocaust-Leugnung von Traditionalisten-Bischof Richard Williamson klarzustellen, war das Verhältnis zwischen Berlin und dem Heiligen Stuhl stark belastet.

Auch durch die Aufwertung der lateinischen Messe und der damit verbundenen Karfreitagsbitte für die Juden verärgerte der Papst aus Deutschland die jüdische Gemeinschaft.

Ein Ereignis für die Geschichtsbücher war der Deutschlandbesuch im September 2011. Eine glänzende Rede im Bundestag, große Gottesdienste in Berlin, Thüringen und Freiburg, ein Treffen mit Missbrauchsopfern – vor allem der Besuch an Wirkungsstätten Luthers in Erfurt und die „Entweltlichungs“-Rede in Freiburg boten Stoff für Debatten. In Freiburg ließ Benedikt XVI. durchblicken, dass ihm der deutsche Katholizismus zu sehr von Geld und Institutionen und zu wenig vom Glauben bestimmt sei.

Bei deutschen Protestanten löste sein Besuch im Erfurter Augustinerkloster Enttäuschung aus: Zwar hatte der Papst eine grundlegende, positive Neubewertung der Lutherschen Theologie im Gepäck. Doch sein Satz, dass er kein „ökumenisches Gastgeschenk“ mitbringe und theologische Differenzen nicht auf dem Verhandlungsweg beigelegt werden könnten, wurde als Zurückweisung empfunden.

Dann kam seit 2010 der Missbrauchsskandal. In der Folge sank das Vertrauen der Deutschen in ihren Papst dramatisch. Die Tatsache, dass er zuvor ein härteres Durchgreifen gegen Missbrauch durchgesetzt hatte, konnte die Stimmung nicht drehen.

Erst als Benedikt XVI. bei mehreren Auslandreisen Opfer traf und deutliche Worte fand, normalisierte sich die Lage ein wenig. 2022, neun Jahre nach seinem Rücktritt, holte Joseph Ratzinger der Missbrauchsskandal noch einmal ein. Ein Gutachten bescheinigte dem ehemaligen Erzbischof von München und Freising Fehlverhalten in vier Missbrauchsfällen. Benedikt XVI. wiederholte seine Entschuldigungsbitte, wollte aber keine persönliche Verantwortung übernehmen.

Erst in einigen Jahrzehnten wird sich zeigen, welche Bedeutung Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. für sein Heimatland hat.



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