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Wichtig sind die Denkanstöße

Foto: Christine Cüppers
Julia Koch (rechts), mit Praktikantin Josephine Kissmer, ist beim Reperatur-Café Ansprechpartnerin für Kunden und Experten.

Wichtig sind die Denkanstöße

Von: Christine Cüppers | 28. September 2014
Ein Repair-Café (Reparatur-Café) für Trier – das war Julia Koch eines ihrer Herzensanliegen. Dass daraus inzwischen ein Erfolgsprojekt geworden ist, das demnächst seinen ersten Geburtstag feiert, liegt vor allem am Einsatz vieler ehrenamtlicher Experten. Und an dem Engagement von Julia Koch selber, die regelmäßig am letzten Samstag im Monat im Organisationsteam mitwirkt.

Julia Koch kann als Schulrätin bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier über Arbeitsmangel nicht klagen. Zuständig für die Grundschulen in der Stadt Trier und in Konz ist der Terminkalender stets gut gefüllt. Trotzdem engagiert sich die 51-jährige seit vier Jahren im Verein Lokale Agenda 21 (LA) in Trier. Ihr Schwerpunkt dabei: der Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung. „Mit der Thematik habe ich auch dienstlich zu tun, was sich sehr gut kombinieren lässt“, sagt LA-Vorstandsmitglied Koch. Ihr besonderes Projekt ist die alljährlich stattfindende Kindermeilenkampagne. Kinder werden dabei sensibilisiert, ihre Wege klimafreundlich zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Mit den gesammelten Meilen leisten sie einen Beitrag zum globalen Umweltschutz.

Ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen

Das zweite Herzensanliegen der langjährigen Grundschullehrerin war es, die Idee des Repair-Cafés in ihrer Heimatstadt Trier zu etablieren. „Ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen, das finde ich enorm wichtig“, erklärt Julia Koch ihre Motivation, das Thema Repair-Café bei einer Klausurtagung des LA-Vorstands ins Gespräch zu bringen. Informationen bei den Pionieren des Projekts vor Ort in Amsterdam, Gespräche mit den heimischen Partnern in diversen Netzwerken und die glückliche Fügung, dass im Jugendzentrum Mergener Hof ebenfalls über das Thema nachgedacht wurde, ließen im Oktober 2013 die Idee zur Realität werden. „Alle Voraussetzungen für ein Repair-Café in Trier waren irgendwie da. Es fehlte nur noch der Funke, der die Sache ans Laufen brachte.“

Sinn für die Umwelt von Kindheit an

Denkanstöße an die Konsumenten zu geben und mit Gleichgesinnten Einfluss auf die Wirtschaft und ihre Produktionsweisen zu nehmen, das ist für Julia Koch Ansporn und Herausforderung zugleich. „Für mich selber sind die Themen, die heute so aktuell diskutiert werden, seit frühester Kindheit in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt die gebürtige Monzelfelderin. Sie sei aufgewachsen mit Nahrungsmitteln, die vor allem aus dem eigenen Anbau stammten. „Verpackungsmüll hatten wir so gut wie nicht zuhause, weil wir kaum in Geschäften eingekauft haben.“ Fast logische Konsequenz, dass Julia Koch sich früh in Friedens- und Ökobewegung engagierte.

An ihrer Seite dabei seit Jahren: Ehemann Bert Bartz. „Er ist ein leidenschaftlicher Bastler und hat den Ehrgeiz, alles zu reparieren“, berichtet Koch schmunzelnd und nennt beispielhaft den familieneigenen Fön. Immer wieder auseinandergelegt und von Schäden befreit, hat der inzwischen stolze 30 Jahre auf dem Buckel. Nahezu selbstverständlich ist auch, dass Bert Bartz, „Stromer“ bei den Trierer Stadtwerken, seine beruflichen und hobbymäßigen Kenntnisse im Repair-Café zur Verfügung stellt. Als ehrenamtlicher Experte kümmert er sich um defekte Elektrogeräte wie Rasenmäher und Kaffeemaschinen.

Da es im Repair-Café um das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe geht, ist es für das Ehepaar Koch-Bartz ein „tolles Gefühl“, Begeisterung, Stolz und Zufriedenheit von Menschen zu erleben, die mit den Experten etwas reparieren konnten. „Damit kommt schließlich die besondere Wertschätzung für die Arbeit des Reparieren und für den Gegenstand an sich zum Ausdruck“, stellt Julia Koch fest. 

Samstags Brotbacken, wenn nicht gerade Repair-Café ist

Für sich selber würde sie sich etwas mehr Zeit wünschen, um ihre Vorstellung von „einfachem Leben“ noch besser umsetzen zu können. Mehr Selbstversorgung aus dem eigenen Garten und mehr Selbermachen etwa von Kleidung gehörten da dazu. „Ich würde gerne richtig gut nähen können und außer Obst und Kräutern auch Gemüse im Garten anbauen“, sagt die Frau, die leidenschaftlich Strümpfe und Pullover strickt und samstags das Brot für die Familie backt – wenn nicht gerade der letzte Samstag im Monat im Zeichen des Repair-Cafés steht.

Gibt es eigentlich noch ein besonderes Anliegen, das Julia Koch im Blick hat? Die Antwort kommt ganz spontan: „Ja, das Thema Mobilität in Trier ist mir ganz wichtig.“ In ihrer vierköpfigen Familie gebe es zwar ein Auto, das aber selten genutzt werde. Die Eltern und die beiden fast erwachsenen Töchter seien meist zu Fuß oder per Rad unterwegs. „Ein Wunschziel wäre es, dass alle Wege unter drei Kilometern allgemein anders als mit dem eigenen Wagen zurückgelegt werden“, erklärt Koch. Und dass das Repair-Café noch öfter stattfinden könnte, würde sie sich auch wünschen. Vorerst aber freut sich Julia Koch an den vielen gelingenden Reparaturen, den sozialen Kontakten, die regelmäßig entstehen, und daran, dass bei diesem Projekt so viele Menschen ihre Potentiale als Experten oder Helfer einbringen können.



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