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Die Verehrung ist ungebrochen

Foto: Andreas Drouve
Der hl. Stephan verbreitet das Christentum; Gemälde hoch über einer Tür im neu hergerichteten Sankt-Stephanssaal im Königspalast von Budapest.

Die Verehrung ist ungebrochen

Von: Andreas Drouve | 14. August 2022
Er war der erste König des Landes und ist heute sein Nationalheiliger: Stephan von Ungarn. Ein Besuch in Budapest zu seinem Gedenktag am 16. August.

Was für ein Prunk im Sankt-Stephansaal des Königspalastes in Ungarns Hauptstadt Budapest! Massige Leuchter hängen von der Kassettendecke. Das Parkett setzt sich in formvollendeter Symmetrie aus Eichen-, Mahagoni- und Walnussholzstücken zusammen. Besucher federn in der Mitte über einen dunkelroten Läufer, schauen auf plüschige Sessel, Gemälde, einen Riesenspiegel, Dekors aus Bronze und Seide.

Prachtstück ist der Keramikkamin mit kapitalen Maßen von 2,80 Metern Breite und 4,70 Metern Höhe. Er wiegt eineinhalb Tonnen und besteht aus 611 Teilen. Mittendrin prangt eine Büste vom Namensgeber des Saals: Stephan I. (um 969–1038), der erste König von Ungarn, der nationale Schutzheilige. Seinen Betrachtern blickt er – ein wenig zu streng geraten, so scheint es – als alter Mann mit schlohweißem Rauschebart entgegen. „Wir wissen allerdings nicht, wie Stephan wirklich aussah“, räumt Palastführerin Zuzana Weszelowszka ein.

Obgleich über ein Millenium vergangen ist seit seiner Krönung, hält die Verehrung von König Stephan ungebrochen an – was nicht nur der Sankt-Stephansaal untermauert, der seit letztem Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dabei handelt es sich um eine Rekonstruktion nach Originalplänen des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorläufers, der Besucher erstmals bei der Pariser Weltausstellung 1900 beeindruckte.

„Die Verehrung Stephans ist grundlegend für das ungarische Selbstverständnis“, heißt es treffend im Ökumenischen Heiligenlexikon.

In Budapest gerät er zum ständigen Wegbegleiter: hoch zu Ross in der Fischerbastei des Burgviertels, als weiteres Reiterdenkmal vor der Felsenkirche der Pauliner und als Büste drinnen unter Steingewölben, dazu das Original der Krone im streng bewachten Kuppelsaal des Parlamentsgebäudes und ein Replikat mit den Kronjuwelen aus Marzipan im Schokoladenmuseum des traditionellen Kaffeehauses Szamos.

In der Sankt-Stephans-Basilika bewahrt ein Schrein das wichtigste Reliquiar, nämlich die heilige Rechte. Will heißen: die unverweste rechte Hand, die hinter der Glasscheibe deutlich erkennbar und kein Anblick für Genießer ist. Es wirkt regelrecht gespenstisch, wenn man den Schrein per Münzeinwurf für die Beleuchtung ins rechte Licht setzt. Die hoch erhobenen Finger könnte man fast für eine Vogelspinne halten …

Warum ein Potentat zum Heiligen aufsteigen konnte, fasst Führerin Weszelowszka zusammen: „Er führte das Königstum ein, begründete die ungarische Kirche und lebte das christliche Leben vor.“

Die Geschichte und der Zweifel des Stadtführers

Laut der gängigen Geschichtsschreibung hieß der König ursprünglich Vajk. Er war der Sohn des Arpadenfürsten Geza und dessen Gemahlin Sarolt und soll von einem Passauer Glaubensboten getauft worden sein; eine abweichende Version der Überlieferung besagt, dass später Bischof Adalbert von Prag die Taufe spendete.

Fest steht, dass Stephan im Jahre 995 Gisela von Bayern heiratete, die Schwester des späteren römisch-deutschen Kaisers Heinrich II., und 997 die Regierungsgeschäfte von seinem Vater übernahm.

Gegen Ende des Jahres 1000 ließ er sich von dem mutmaßlich aus Prag gekommenen Abt Astrik zum König von Ungarn krönen, doch der Budapester Stadtführer Peter Balogh stellt Zweifel an der Datierung in den Raum. Im Winter herrschte damals schon Eiseskälte in dem osteuropäischen Land, was das Fortkommen beschwerlich bis unmöglich machte.

Balogh, der sich eingehend mit dem heiligen Stephan beschäftigt hat, sagt: „Ich denke, es dürfte eher Ostern 1001 gewesen sein. Dann nämlich konnten die Stände aus dem ganzen Land problemloser zur Krönung kommen.“ Allerdings stand nicht jeder auf Stephans Seite; zur Zementierung seiner Macht und des Christentums bekämpfte er aufrührerische Stammesfürsten und jene, die weiterhin heidnischen Kulten nachhingen.





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