Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
Die Mutter aller Kurorte

Foto: Gerd Felder
Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und der Kur- und Badestadt Spa: das Spielcasino.

Die Mutter aller Kurorte

Von: Gerd Felder | 21. November 2021
Welterbe und Hauptstadt des Wassers: Besuch in Spa in Ostbelgien.

Rühmende Titel und Bezeichnungen kann das ostbelgische Spa wahrhaftig zuhauf aufweisen: „Perle der Ardennen“, „Mutter aller Kurorte“, „Café Europas“ hat man die nur 11 000 Einwohner zählende Thermalbadestadt genannt.

Doch seit Juli dieses Jahres kann das Städtchen in der französischen Wallonie südlich von Lüttich auf eine weitere wertvolle Ehrung verweisen: Zusammen mit so renommierten Badeorten wie Baden-Baden, Bad Kissingen, Bad Ems, dem französischen Vichy, dem englischen Bath oder dem tschechischen Karlsbad gehört die Wiege des modernen Thermalbadwesens jetzt auch zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Auszeichnung wurde Spa nur wenige Tage, nachdem das Sommer-Hochwasser die Stadt erreicht hatte, verliehen.

Heutzutage wird es für wahrscheinlich gehalten, dass schon die Römer die Quellen der Gegend um Spa kannten, da an verschiedenen Stellen Zeugnisse ihrer Bautätigkeit gefunden wurden. Das Wort „Spa“, dessen Herkunft nicht hundertprozentig geklärt ist, leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen „sparsa fontana“ („sprudelnde Fontäne“) her.

Im 7. Jahrhundert missionierte der heilige Remaklus, Gründer und Abt der Klöster Stablo (Stavelot) und Malmedy, die Ardennen und soll der Legende nach mit seinem Stab die heiligen Quellen entdeckt haben, die schon bei den heidnischen Kelten als Heilwasser galten.

Im Jahr 1559 schließlich veröffentlichte ein Arzt des Fürstbischofs von Lüttich namens Gilbert Lymborth ein Werk, das die meisten Quellen von Spa beschreibt und zwei Stiche von Spa enthält.

Die erste Überlieferung über den Export des Mineralwassers stammt aus dem Jahr 1583: Damals machte König Heinrich III. sich nach Mezieres auf, um das „Eau de Spa“ zu trinken.

Heilung von Zar Peter dem Großen sorgt für Boom

„Einen wirklichen Durchbruch für Spa als Kurort aber bedeutete es, als der Leibarzt Peters des Großen dem Zaren 1717 zu einem Besuch in Spa riet“, erläutert der Künstler und Stadtführer Gaeton Plein. „Daraufhin verbrachte der Zar fünf Wochen in Spa und trank das Wasser der beiden Quellen Pouhon und Geronstere im Überfluss, was ihn unter anderem von seiner Lebererkrankung heilte.“ Die Nachricht von der offiziell beglaubigten Heilung verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die europäischen Höfe und brachte Spa und sein Heilwasser wieder in Mode.

Knapp 20 Jahre später, im Jahr 1734, erschien das Buch „Amusements des eaux de Spa“ („Die Freuden der Wasser von Spa“), das so erfolgreich war, dass es mehrmals aufgelegt und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Der Export der Wasser stieg unterdessen von 30 000 Flaschen im Jahr 1607 auf 134 000 Flaschen im Jahr 1770, die nach Russland, Italien, England, Portugal und in die USA verkauft wurden.

Dieser Erfolg hatte entsprechende wirtschaftliche Auswirkungen, durch die die Stadt sich rasch wandelte. Nach und nach entstanden immer mehr Hotels, die diesen Namen auch verdienten und einen Komfort boten, wie er von einer anspruchsvollen Klientel erwartet wurde.

Entscheidend für die Weiterentwicklung Spas aber war vor allem ein Ereignis im Jahr 1763, das die gesamte Zukunft der Kur- und Badestadt bestimmen sollte: die Eröffnung des ersten Spielcasinos weltweit, der sogenannten „Redoute“.

Ausgerechnet der damalige Fürstbischof von Lüttich (!) verpflichtete die Bevölkerung von Spa, eine solche öffentliche Einrichtung zu bauen, um die wachsende Zahl ausländischer Besucher zu unterhalten. Bereits sieben Jahre später folgte mit dem „Waux-Hall“ ein zweites, noch luxuriöseres und besser gelegenes Casino. Beide boten die gleichen Dienstleistungen an: Mittagessen, Bälle und damals modische Spiele wie das von den Engländern besonders geschätzte „Crabs“, „Biribi“, der Vorfahre des Roulettes, „Pharaon“ und „Vierunddreißig“.

Kurios muten aus heutiger Sicht die drei „Verpflichtungen“ an, mit denen eine Kur in Spa damals verbunden war: Mineralwasser aus verschiedenen Quellen trinken, sich körperlich betätigen (wie zum Bespiel durch Spazierengehen, Tanzen oder Reiten) und Spaß haben. Um die feine Gesellschaft zu unterhalten, wurden eine ganze Reihe von Zerstreuungen organisiert wie zum Beispiel im Jahr 1773 die ersten Pferderennen auf dem europäischen Kontinent.

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war überhaupt das erste goldene Zeitalter von Spa. Alle Welt kam unter dem Vorwand einer Kur hierher, aber es ging vor allem darum, sich zu zeigen. Moden und Denkanstöße aus den Metropolen wurden schnell integriert. Der Spitzname „Café de l’Europe“ („Cafe Europas“) für Spa wurde dadurch zum festen Begriff.


  • Info
    Spa ist aus dem Raum Trier leicht und schnell über die A60/E42 zu erreichen.

    Informationen über die Kurstadt sind zu erhalten im täglich geöffneten Fremdenverkehrsamt (Office du Tourisme), Rue du Marché 1a, Telefon (0039) 87 79 53 53.

    Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Spa sind unter anderem die Wasserfälle von Coo, die Abtei Stavelot und die Stadt Malmedy.
  • Weiter lesen …
    Den vollständigen Artikel lesen Sie in der gedruckten Ausgabe des „Paulinus“ oder im „Paulinus-ePaper. Ein kostenloses und unverbindliches dreiwöchiges Probeabo gibt es per E-Mail an leserservice@paulinus-verlag.de.



Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreise 2021

Auf den Spuren der heiligen Katharina und der heiligen Klara war das Thema der „Paulinus“-Leserreise vom 23. bis 29. September 2021.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Zwischen Ahrpsalm und Klagemauer
    Monsignore Stephan Wahl hat im Trierer Dom Texte aus Jerusalem gelesen und für die Hochwasserhilfe in seiner Heimat an der Ahr Spenden gesammelt (Video Christine Cüppers). Mehr dazu im Paulinus.
  • Trierer Ferienfreizeit für Ahrtalkinder
    Auf Einladung der Dekanate Trier und Schweich-Welschbillig haben Kinder und Jugendliche eine Ferienfreizeit in der Bischofsstadt verbracht (Video: Christina Libeaux).
  • Theologie studieren in Trier
    Der neue Imagefilm der Theologischen Fakultät Trier ist mit Geldern des Fördervereins unterstützt worden. Mehr zum Studiem gibt es auf https://theologie-trier.de.
  • Musik im Gottesdienst
    Einen Gottesdienst regelmäßig besuchen – für viele junge Menschen kommt das nicht in Frage. Kann man mit anderer Musik junge Leute erreichen? „Paulinus“-Redaktionsmitglied Johannes Weedermann hat einen Pop-Gottesdienst in Saarbücken-Schafbrücke besucht. Das Duo „Yannisha“ singt „Stand by me“ (Video: Johannes Weedermann).
  • Bischof Ackermann dankt Kitamitarbeiterinnen und -mitarbeitern
    In einer Videobotschaft hat Bischof Dr. Stephan Ackermann sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den katholischen Kindertagesstätten im Bistum gewandt und ihnen herzlich für ihren Einsatz auch unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie gedankt (Bericht im "Paulinus").
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: