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Eine Kirche voller Überraschungen

Foto: Andreas Drouve
Die Kirche hält allerhand Überraschungen bereit. In das wertvolle Reliquiar ist auch ein Splitter des Christuskreuzes gefasst.

Eine Kirche voller Überraschungen

Von: Andreas Drouve | 10. Oktober 2021
Gereon war der Legende nach Offizier einer Abteilung der Thebäischen Legion, die aus christlichen Soldaten bestand. Zusammen mit vielen seiner Soldaten erlitt Gereon in der Zeit der Christenverfolgung unter Diokletian den Märtyrertod. Zum Festtag des Heiligen am 10. Oktober ein Besuch in Sankt Gereon im Ort Spiel.

Rundum flaches Felderland. Stille steht in den Dorfstraßen von Spiel. Kaum jemand der 200 Einwohner ist heute unterwegs. Nur Kenner wissen, dass das Örtchen kein weißer Fleck auf der Glaubenslandkarte um das rheinische Jülich ist. Die Kirche Sankt Gereon kündigt sich weithin sichtbar mit ihrem Spitzturm an. Geweiht ist sie jenem Heiligen, dessen katholischer Gedenktag der 10. Oktober ist. Während die romanische Gereonskirche in Köln einen hohen Bekanntheitsgrad genießt, ist diese hier im Örtchen Spiel – etwa 55 Kilometer westlich der Domstadt gelegen – eine Unbekannte, die sich als echtes Überraschungspaket öffnet und auf unterschiedlichste Weise das Gedenken an den Heiligen wach hält.

Rita Cremer ist so etwas wie das lebende Inventar in der Spieler Gereonskirche. Mangels Küster fungiert die 58-jährige als Gottesdienstbeauftragte, ebenso als Krippenspielleiterin, kurzum: als Verantwortliche für alles.

Die Kirche, das merkt man im Gespräch mit ihr rasch, liegt Cremer seit der Kindheit am Herzen, obgleich die Erinnerungen nicht ungetrübt sind: „Damals sagte der Pastor: Keine Mädchen am Altar. Da spielte ich lieber mit den Jungs aus dem Dorf Fußball.“ Der Pfarrer würde sich heute gewiss Cremers Meinung anschließen, wenn sie sagt: „Ohne Frauen würde die Kirche nicht mehr existieren.“

Darstellung als Soldat mit verklärtem Blick

Die Kirche, beurkundet seit dem zwölften Jahrhundert, ist ein einschiffiger, flachgewölbter Saalbau aus Tuffstein. Im Laufe der Zeit hat er starke Veränderungen erfahren, war vorübergehend von Baufälligkeit und Einsturz bedroht. Der Turm steht davor, separat vom Baukörper.

Bei der Suche nach einer Darstellung des Heiligen lenkt Rita Cremer den Blick auf ein Bildnis links neben dem Hochaltar: Gereon als Soldat, mit lockigem Haar, gekleidet in militärische Kluft und einen rotgoldenen Umhang, in seiner Linken eine Art Speer, in der Rechten den Schild. Der Blick ist verklärt, treuselig, fast antisoldatisch. So sieht eigentlich niemand aus, der Befehle befolgt. Die Skulptur stamme aus Kevelaer, ebenso wie die auf der anderen Hochaltarseite von Kaiserin Helena, erzählt Cremer. Beide seien angefertigt worden, nachdem die Vorläufer Anfang der 1970er Jahre gestohlen worden waren. Das könnte ein „Auftragsdiebstahl“ gewesen sein, mutmaßt Cremer. Wer weiß, in welcher Privatkollektion die wertvollen Bildnisse gelandet sind? Der Raub wurde niemals aufgeklärt.

Wer war überhaupt Sankt Gereon? Cremer hat ein Infoblatt mitgebracht, das die Lebensdaten mit 270 bis 304 angibt und zwischen Legende und Realgeschichte anzusiedeln ist. Zu Römerzeiten ist der Heilige mutmaßlich Offizier in der Thebäischen Legion, die aus christlichen Soldaten besteht. Römerkaiser Diokletian, der die Truppe im Osten bereits zum Kampf gegen andere Christen einsetzen wollte, beordert sie nach Gallien und Germanien. „Für diese Zeit ist die Weigerung der christlichen Legion bezeugt, eine Christenverfolgung durchzuführen“, heißt es im Infoblatttext. Der Schauplatz liegt vor den damaligen Toren Kölns. Gereon fasst sich ein Herz und tritt als Wortführer seiner am Glauben festhaltenden Kameraden auf. Darauf befiehlt Kaiser Maximianus, der Mitregent des Reiches ist, die zweimalige Dezimierung und schlussendlich die Liquidierung der ganzen Legion. Gereon stirbt, wie die anderen, den Märtyrertod; er wird enthauptet. In ihrem Standardwerk „Der große Namenstagskalender“ vermerken die Autoren Jakob Torsy und Hans-Joachim Kracht, dass der Legende „wohl ein echtes Martyrium“ zugrunde liegt.



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