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Flammendes Plädoyer für steinernes Kunstwerk

Foto: Constanze Haubrich
Bischof Dr. Stephan Ackermann, Museumsdirektor Markus Groß-Morgen und Dompropst Weihbischof Jörg Michael Peters (von links) im Dommuseum vor einem großformatigen Bild der Altarinsel von oben.

Flammendes Plädoyer für steinernes Kunstwerk

Von: Constanze Haubrich | 21. April 2024
Das Museum am Dom Trier hat am Vortag des Bistumsfestes den Auftakt der Ausstellung „Der Trierer Dom im Wandel – „Was tut die Schnecke vor dem Altar?“ gefeiert.

Was haben eine Schnecke, Odysseus und die Menora, der siebenarmige Leuchter des Judentums, gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Umso mehr verwundert es, dass sich die drei neben anderen Darstellungen auf dem Altar und der Altarinsel im Trierer Dom finden. Das sorgte bereits im Jahr 1974 für Verwirrung – dem Jahr, als die Renovierungsarbeiten der ältesten Bischofskirche Deutschlands nach zehn Jahren abgeschlossen waren. Sollten Altar und Insel so im frisch sanierten Dom abgenommen werden? Mit dieser Frage wurden die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Der Trierer Dom im Wandel – was tut die Schnecke vor dem Altar?“ am 11. April im Museum am Dom konfrontiert. Und das von einem „Zeitzeugen“ aus dem Jahr 1974 – so kündigte es Museumsdirektor Markus Groß-Morgen dem Publikum an. Stattdessen trat der Schauspieler Alexander Etzel-Ragusa vor den rund 200 Besucherinnen und Besuchern in der Eingangshalle des Dommuseums auf die Bühne. Ganz aufgehend in seiner Rolle als damaliger Bausachverständiger hielt ein flammendes Plädoyer für das steinerne Kunstwerk.

Eine Szene wie diese könnte sich so oder ähnlich vor der Neueinweihung des Doms auch abgespielt haben. Altar und Altarinsel durften bleiben, wie sie waren, und der Trierer Dom konnte am 1. Mai 1974 wieder eröffnet werden. Da seitdem 50 Jahre vergangen sind, zeigt das Museum am Dom anlässlich des Jubiläums eine besondere Ausstellung. Neben Altar und Altarinsel stehen die verschiedenen Darstellungsweisen des Doms in den letzten Jahrhunderten im Mittelpunkt. Auf die 1700-jährige Geschichte des Doms verwies vor allem Dompropst Jörg Michael Peters, der sich als Impulsgeber der Ausstellung offenbarte. Peters, der den Blick von der Orgel auf den Altar als seinen Lieblingsplatz im Dom beschrieb, hob in seinem Grußwort besonders die Menora auf der Altarinsel hervor – gerade in der heutigen Zeit, in der es wieder verstärkt antisemitische Tendenzen gebe. Der siebenarmige Leuchter, der eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums ist, sei ein „wunderbares Zeichen“. Peters betonte: „Die Darstellung zeigt, dass unser Christenglauben ein Fundament hat. Jesus Christus war selbst Jude.“

Verbundenheit mit der Geschichte des Glaubens

Eine solche Verbundenheit mit der Geschichte des Glaubens spürt auch Bischof Dr. Stephan Ackermann jedes Mal, wenn er als Zelebrant die Altarinsel betritt. „Mich überkommt es dann, dass ich auf dem Fundament eines 1700 Jahre alten Glaubens stehe,“ berichtete er. Für die Ausstellung sprach er Groß-Morgen und seinen Mitarbeitenden ein großes Kompliment aus. Auch für ihn ist die Geschichte um den Altar und die Altarinsel faszinierend. Mit Blick auf die Heilig-Rock-Tage verbindet er damit ein besonders berührendes Bild: „Am Kita-Tag während des Bistumsfests scharen sich die Kinder um den Altar. Sie nehmen die Altarinsel in Besitz.“

Der Vernissage-Abend, der das Publikum vor allem durch die Musikbeiträge von Johannes Schaffrath in das Jahr 1974 versetzte, zeigt: die Ausstellung lohnt sich für alle Dom-Begeisterten. Durch unterschiedliche Gemälde und Fotografien von der Bischofskirche bekommen die Besucherinnen und Besucher einen Einblick, wie andere Menschen dieses Haus Gottes wahrnehmen. Dabei ist auch der eine oder andere profanere Blick auf den Dom möglich. So haben unter dem Hashtag #meinDom viele Interessierte an einem Fotowettbewerb teilgenommen. „Wir haben 80 Einsendungen aus ganz Deutschland erhalten“, erzählte Groß-Morgen in seiner Eröffnungsrede.  Einige Werke werden in der Ausstellung gezeigt.

Der Theologe und Kunsthistoriker sprach vor allem seinem Team Dank aus, das sich schon einmal in einer Schau mit der Geschichte der Bischofskirche befasst hat. „Nach der Ausstellung vor zehn  Jahren haben wir für die jetzige nochmal einen anderen interessanten Schwerpunkt setzen können“, sagte er. Besucherinnen und Besucher können noch bis zum 8. September der Frage nachgehen, was die Schnecke vor dem Altar tut. Zusätzlich finden im Ausstellungszeitraum thematische Workshops und Führungen statt.




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