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Geschichten und Gesichter

Foto: Harald Oppitz
Melanie in der Verpflegungsstelle Laach in Mayschoß.

Geschichten und Gesichter

Von: Harald Oppitz | 17. Juli 2022
Ein Jahr nach der Flut ist das Ahrtal immer noch weit entfernt von der einstigen Idylle. Ähnlich weit wie die Menschen vor Ort von einem „normalen Leben“. Das zeigt auch die zweite Hälfte der Wanderung auf dem Ahrtalweg von Altenahr bis zur Quelle.

Melanie will heute für das Versorgungszelt bei Laach das Mittagessen für die Handwerker und Bewohner der Umgebung vorbereiten, doch es gibt schon erste Hiobsbotschaften so früh am Tag: Bis zum 14. Juli, ausgerechnet dem Jahrestag der Flut, sollen der Wohncontainer und die mobilen Toiletten abgebaut werden. Als sei hier alles wieder in Ordnung.

„Das ist hier mein Zuhause geworden, hier kann ich den Schock der Flutnacht irgendwie verdrängen“, erzählt Melli, wie sie hier alle nennen. In ihrer Wohnung in Ahrweiler würde sie jetzt verrückt werden, ist sie sicher. Hier in Laach habe sie neue Freunde gefunden, hier kann sie mit ihren Fähigkeiten helfen. „Die Situation ist erschreckend. Viele Versorgungspunkte werden dicht gemacht. Aber man sieht keine Fortschritte. Das Einzige, was man sieht, ist, dass noch mehr Häuser abgerissen werden.“ Ein Aufbau in der Sackgasse.

Zurück in Altenahr wartet im Pfarrhaus Manuela. Auch ihre Arbeit hat sich seit der Flut komplett verändert: Menschen in ihrer Not begleiten – das steht für die Gemeindereferentin jetzt im Mittelpunkt (der „Paulinus“ berichtete). Gestern erst hat sie mit einer Familie gesprochen, die bis heute nicht weiß, ob ihr Haus abgerissen wird oder nicht. Das zermürbt. „Die Menschen möchten reden. Und da ist die Bandbreite riesig.“ Bei den einen setzt verhaltene Freude ein, wenn sie wieder in ihr Haus können, auch wenn drumherum noch alles zerstört ist. Andere verzweifeln an der Ölbelastung im Mauerwerk: „Wichtig ist, sich auszutauschen, sich gegenseitig zu stärken, aber auch mal gemeinsam Luft ablassen oder trauern.“


Die Stimmung wird zunehmend gereizt in Schuld. Manche reden, aber keiner will seinen Namen nennen: Versicherungen stellten sich quer, der Bürgermeister bewege sich nicht, Journalisten seien einfach in Baustellen spaziert, zuviel Totholz habe am Ufer gelegen, es gab zu viele Brücken, es gebe jetzt zu wenige Brücken ... Die da oben auf dem Berg – wir hier unten im Katastrophengebiet: Schuldzuweisungen in Schuld.

Resi Weiler, die kamerascheue Küsterin der katholischen Kirche, kennt hier jeden. Niemand komme nur im Geringsten zur Ruhe: „Alle sind überfordert, viele mit den Nerven am Ende“, sagt sie. „So viel ist kaputt, so viel ist zu tun, und immer noch diese Unsicherheit – das wird Jahre dauern.“ Ihr Sohn hat einen Teil seiner Schreinerei wieder aufgebaut, nun liegen aber einige Zentimeter davon im neu ausgewiesenen Gefahrengebiet – also soll der Anbau binnen vier Jahren wieder verschwinden.





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„Der temperamentvolle Süden Spaniens“: Das ist die Überschrift zur nächsten „Paulinus“-Leserreise, die vom 14. bis 21. November 2022 nach Andalusien führt.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


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Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



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