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Jesu Vorbild der Inklusion aufgreifen

Foto: Hans Georg Schneider
Neben vielen osteuropäischen Sprachen wurde auch die gebärdensprache eingesetzt.

Jesu Vorbild der Inklusion aufgreifen

Von: Judith Rupp und Hans Georg Schneider | 5. Mai 2013
Mit einer Fachtagung zur Umsetzung der UN-Konvention zu den Rechten behinderter Menschen ist in Trier die Reihe der Veranstaltungen zur Eröffnung der diesjährigen Pfingstaktion von Renovabis fortgesetzt worden.

Unter der Überschrift „Mittendrin statt nur dabei“ beteiligten sich am 19. und 20. April rund 80 Experten und Betroffene aus Deutschland, der Ukraine, Polen, Weißrussland und Rumänien an einem Treffen zur Teilhabe behinderter Menschen am öffentlichen Leben in allen seinen Facetten. Eingeladen hatten die Diakonische Pastoral und die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Trier sowie Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa.

Erfahrungsaustausch zwischen Ost und West

Die Pfingstaktion, die am 28. April im Trierer Dom eröffnet wird, thematisiert die Lebenssituation behinderter Menschen im Osten Europas. Burkhard Haneke von der Renovabis-Geschäftsleitung wünschte sich deshalb von der Fachtagung im Robert- Schuman-Haus ein „interkulturelles Gespräch“. Es sei eine große Chance, aus unterschiedlichen Erfahrungshorizonten in West und Ost Impulse für neue Entwicklungen zu gewinnen. Triers Generalvikar Monsignore Dr. Georg Bätzing verwies darauf, dass sich Renovabis auch bei diesem Thema als Brückenbauer zwischen Ost und West und von Mensch zu Mensch erweise. Christen sei es nicht gestattet, die Hände in den Schoß zu legen. „Wir wollen dorthin schauen, wo Menschen unsere Solidarität und Anwaltschaft benötigen“, sagte Bätzing.

Mit dem Thema „Von der Behindertenhilfe zur Menschenrechtspastoral“ befasste sich Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik in Berlin. Er erklärte, lange Zeit habe es die Betrachtung von „Behinderung als einer Frage von Krankheit“ gegeben. Mittlerweile habe ein Paradigmenwechsel hin zur „Inklusion“ stattgefunden: Es gehe um eine neue Qualität von Teilhabe. Der Blick habe sich entwickelt „von einer fürsorgenden Betreuung hin zur befähigenden Menschenrechtsassistenz“. Im Kern heiße das: „Alle Menschen können ihre verbrieften Rechte zur Geltung bringen.“ Lob-Hüdepohl nannte Inklusion einen „Grundauftrag missionarischer Kirche“ in der Nachfolge Jesu: „Es ist Christenpflicht, Menschen, die ausgegrenzt sind, wieder in die Mitte von Kirche und Gesellschaft zu bringen.“ Der Theologe zeigte auf, dass sich dieser Auftrag bereits in der Bibel wiederfindet – etwa wenn Jesus Kranken und Aussätzige heile, indem er die Nähe Gottes demonstriere, sich berühren lasse und traditionelle Verhaltensmuster durchbreche: „Jesus hat eine kontinuierliche Inklusion vorgenommen.“

Allen auch das "Geben" ermöglichen

Das Leitbild Inklusion schaue „nicht auf Defizite, sondern auf das, was gefördert werden kann, damit Menschen vollwertig teilhaben können an der Gesellschaft“, sagte Lob-Hüdepohl. Er ermutigte die Tagungsteilnehmer, die „eigen-artigen“ Fähigkeit von Menschen mit Behinderungen wertzuschätzen. Es sei wichtig, nicht nur eine „Teil-Habe“, sondern auch eine „Teil-Gabe“ zu ermöglichen. Entscheidend seien das Verständnis und die Deutung von Behinderung. Während im deutschen Sozialgesetzbuch Behinderung als Defizitmerkmal beschrieben werde, spreche die UN-Konvention davon, dass Behinderung entstehe, wenn „unbewusst existierende Barrieren nicht abgebaut“ würden. Dabei gelte: „Man kann Schritt für Schritt ent-hindern.“ Dies könne etwa im Bereich der Pastoral passieren, indem man sensibel sei für die Unterschiede der Menschen –und auch die Teilhabe sowie Teilgabe an der Seelsorge, der Verkündigung und der Sakramentenpastoral ermögliche.

In einer Gesprächsrunde berichtete der Speyerer Weihbischof Otto Georgens von seinen positiven Erfahrungen bei der Firmung behinderter Menschen. Er habe seinen geistig behinderten Bruder erst im Alter von 50 Jahren gefirmt. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an den Sakramenten sei mittlerweile auch in der deutschen Bischofskonferenz ein wichtiges Thema: „Das Bewusstsein wächst.“ Der Cochem-Zeller Landrat Manfred Schnur sagte, das Thema Inklusion solle nicht nur unter finanziellen Aspekten betrachtet werden, sondern unter der Maßgabe, „Talente zu fördern, damit Menschen ein gleichgestelltes Leben führen können“.

Rita Schneider-Zuche vom Diözesan-Caritasverband Trier forderte, ins Gespräch zu kommen über das Thema „Inklusion“ und was sich dahinter verberge – und dann nicht nur über Menschen mit Behinderungen zu reden. Martin Ludwig von der Arbeitsstelle Medien für Blinde und Sehbehinderte im Bistum wünschte sich, dass die barrierefreie Mediengestaltung weiter verbessert wird. Und Prälat Dr. Tadeusz Pajurek aus dem polnischen Lublin berichtete, dass die EU-Gesetzgebung zwar gelte, die Gesetze aber bislang „nur auf dem Papier“ existierten. Als Leiter einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen habe er schon vor vielen Jahren eine Kapelle gebaut, in der die Patienten gemeinsam Gottesdienst mit den Menschen vor Ort feiern konnten: „Ich habe damals nicht gewusst, dass das Inklusion ist.“

Unter Leitung von Brigitte Scherer von der Diakonischen Pastoral und Moderatorin Gudrun Zipper berichteten die Teilnehmenden über ihre eigenen Erfahrungen. Dazu gab es einen „Markt der Möglichkeiten“ mit ausgesuchten Praxisbeispielen sowie Workshops zu den Forderungen der UN-Konvention. Mit dabei waren etwa die „Asociatia Caritas Bucuresti“ mit einer Präsentation ihrer Tagesstätte für behinderte Kinder in Rumänien oder der Club „Aktiv-Leben ohne Grenzen“ aus Trier mit einer ausführlichen Darstellung seiner Angebote. Bei den Workshops ging es mit internationaler Beteiligung um Kernthemen der Inklusion wie „Wohnen“, „Arbeiten“, „Bildung“ und auch um das Thema „Gemeinsam Kirche sein“. Das gemeinsame Gebet gehörte ebenso zum Tagungsprogramm wie ein kultureller Beitrag: Das Trierer Ensemble „com.guck“ begeisterte am Freitagabend mit seinem Theater „Alle IN!“.

Themen auch bei Synode aufgreifen

Am Ende der Tagung betonte Horst Drach, Leiter der Abteilung „Pastorale Grundaufgaben“ in der Bistumsverwaltung, die UN-Behindertenrechtskonvention verlange unter dem Stichwort Inklusion einen „Perspektivwechsel von uns in der Begegnung und im Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit Menschen mit Behinderungen“. Im Bistum gebe es bereits viele Aktivitäten, und bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 sei sichtbar geworden, dass dem Trie­rer Bischof Ackermann der „Beitrag von Menschen mit Behinderungen zur Entwicklung von Glauben, Christsein und Kirche“ wichtig sei. Daher forderte Drach, den Perspektivenwechsel im Bistum weiter zu verwirklichen und die Zusammenarbeit zwischen bereits vorhanden Initiativen herzustellen und zu intensivieren. Außerdem müsse man gemeinsam dafür eintreten, dass das Thema Inklusion einen Platz in der bevorstehenden Diözesansynode findet.




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