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Viele denken daran zu gehen

Foto: KNA
Die Bischöfe begrüßen nach dem Gottesdienst in Gaza am 14. Januar Missionarinnen der Nächstenliebe vor der Kirche.

Viele denken daran zu gehen

Von: Andrea Krogmann
Beim Besuch einer katholischen Gemeinde in Gaza haben junge Christen den Teilnehmern einer internationalen Bischofsreise von ihren Sorgen und Nöte berichtet.

Sie sind gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden und besonders der jungen Generation zuzuhören: Die Teilnehmer eines internationalen Bischofstreffens im Heiligen Land hören am 14. Januar beim Besuch einer katholischen Pfarrei in Gaza Zeugnisse wachsender Frustration. Ohne längerfristige Perspektiven für die jungen Christen, lautet deren Appell, werde es auf Dauer auch keine Perspektive für eine stabile christliche Präsenz im Gazastreifen geben.

Das „Internationale Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“ vom 13. bis 18. Januar fällt in eine Zeit, die der Generaldirektor des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Sami al-Yousef, als möglichen „Tiefpunkt in der politischen Lage der Palästinenser“ bezeichnete.

Für den Gazastreifen heißt das: Arbeitslosenraten von 45 Prozent unter Jugendlichen, bei Frauen und Christen sogar bis zu 70 Prozent. 3000 Bewerber auf ein Stellenangebot sind die Regel. Eine intakte Infrastruktur fehlt, Zukunftschancen gibt es kaum.

Nach jahrelangem Rückgang sei die Katholikenzahl gegenwärtig stabil, erläuterte Pfarrer Mario Da Silva. Zusammen mit den griechisch-orthodoxen Gläubigen leben nach Schätzungen des brasilianischen Ordensmanns aber inzwischen weniger als 1000 Christen in dem abgeriegelten Landstrich. Jahr für Jahr kehrten Dutzende, wenn sie zu den christlichen Festen Reisegenehmigungen erhielten, nicht in den Gazastreifen zurück.

Der katholischen Pfarrei kommt laut Al-Yousef in dieser schwierigen Phase eine vitale Rolle als Hoffnungsträger vor allem der Jugend zu. Neben den drei Hauptaufgaben Bildung, humanitäre Hilfe und pastorale Sorge sei im Fall der Menschen von Gaza eine weitere überlebenswichtig: Hilfe bei der Sicherung des Lebensunterhalts.

Doch trotz zahlreicher Bemühungen der Kirche, Arbeitsmöglichkeiten für die junge Generation zu schaffen, bleibt die dramatisch hohe Arbeitslosenquote bestehen. Alle Bedürfnisse abzudecken sei „schier unmöglich“, sagt Nisrin Anton, eine Projektmanagerin der Gemeinde.

Die unsichere politische Lage trägt ebenfalls dazu bei, den Abwanderungstrend zu verstärken. „Keiner kann sagen, wann der nächste Krieg kommt. Auch deshalb denken viele daran zu gehen“, sagt die Managerin.

„Wie sollen wir junge Christen zum Bleiben bewegen, wenn wir ihnen hier kein Leben bieten können?“, fragt Rami Tarazi, ein Sprecher der christlichen Jugend. „Wenn ein junger Mann mit 25 Jahren nicht sein eigenes Leben beginnen kann, was bleibt dann noch?“ Mit jedem jungen Christen, der Gaza verlasse, gehe zugleich eine potenzielle junge Familie – „so lange, bis es hier keine Christen mehr gibt“.

Die Fragen mit nach Deutschland nehmen

Dabei, sagt der deutsche Delegationsteilnehmer, der Mainzer Weihbischof Udo Bentz, sei die Heimatverbundenheit der Jungen durchaus zu spüren. Gäbe es eine tragfähige Perspektive, würden auch die jungen Christen bleiben. Ihre Perspektivlosigkeit mache ihn bedrückt und hilflos, erklärt Bentz.

Das Solidaritätstreffen internationaler Bischöfe findet jedes Jahr statt. Für Bentz ist es der erste Gaza-Besuch. Die Fragen, die dieser aufgeworfen habe, wolle er mit nach Deutschland nehmen. Ziel sei es, das Bewusstsein zu schärfen für die dramatische Situation vor Ort – für eine „gelebte Solidarität“.

Sami al-Yousef hebt bei allen Schwierigkeiten auch den starken Glauben und die Widerstandsfähigkeit der Christen in der Region hervor: „Sie sind Helden, die wir in jeder möglichen Weise unterstützen wollen.“

Ein Versprechen, dem sich die Bischöfe anschließen – „im Gebet und in Solidarität“ und im Wissen um die „entscheidende und wichtige Präsenz“ der kleinen Minderheit, wie es der anglikanische Bischof Christopher Chessun aus Southwark ausdrückt.



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