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„Weiter so“ geht es nicht mehr

Foto: Imago
Diese Transparente waren während der Demonstration zum Thema „Wir haben es satt“ 2016 in Berlin zu sehen.

„Weiter so“ geht es nicht mehr

Von: Bruno Sonnen | 14. Januar 2018
Ein breites Bündnis gesellschaftlicher Organisationen lädt anlässlich der „Grünen Woche“ in Berlin auch in diesem Jahr zur Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt“ ein.

„Gemeinsam für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung, globale Bauernrechte und gerechten Welthandel“ – das sind Kernanliegen des Trägerkreises der Demonstration am 20. Januar, zu dem die großen kirchlichen Hilfswerke Misereor und „Brot für die Welt“ ebenso gehören wie zahlreiche Menschenrechts- und Umweltorganisationen sowie die „Aktion 3.Welt Saar“ aus der Region Trier/Saarland.

Gesundes Essen für alle

Die Organisatoren befürchten angesichts der anstehenden Sondierungen für eine neue Bundesregierung von Union und SPD „vier weitere verschenkte Jahre in der Agrarpolitik“. Einen solchen Stillstand dürfe es nicht geben. „Dringender denn je brauchen wir eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft und gesundes Essen für alle“, heißt es im Aufruf zur Demonstration. Die Politik müsse „endlich den Interessen der Menschen folgen, statt Konzernen zu mehr Macht zu verhelfen“.

„Unternehmen wie Bayer und Monsanto fusionieren zu immer größeren Megakonzernen, wollen Macht vom Acker bis zum Teller – und verdienen Milliarden mit unserem Essen“, das sei die „fatale Realität der industriellen Landwirtschaft“, heißt es weiter.

Die Konsequenz: „Lebensmittel-Skandale, Glyphosat und Antibiotikaresistenzen, Verlust der Artenvielfalt und verschmutztes Trinkwasser, Gentechnik und Patente auf Pflanzen und Tiere. In Megaställen und Schlachthöfen, wo Arbeitsrechte oftmals mit Füßen getreten werden, trimmt die Fleischindustrie die Tiere immer weiter auf Profit.“

Das Prinzip des „immer mehr“, „immer größer“ und „immer intensiver“ in der Landwirtschaft treibe Bauernhöfe in den Ruin, seit 2005 habe jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland aufgegeben.

Das Bündnis fordert ein Ende der bisherigen Subventionen an die Agrarindustrie und die Förderung des Umbaus hin zu artgerechter Tierhaltung. Begründung: „Aggressive Exportstrategien und verfehlte Agrarpolitik ruinieren Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt. Mit Kampfpreisen und Landraub ziehen große Konzerne den Bauernhöfen im globalen Süden und in Europa den Boden unter den Füßen weg. Statt Konzerninteressen mit Freihandelsabkommen abzusichern, brauchen wir weltweit sicheren Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und Nahrung. Auch kleine und mittlere Betriebe, die Tiere gut halten und Klima und Umwelt schützen, müssen von ihren Produkten leben können – überall!“

„Immer mehr Menschen erkennen, dass Essen politisch ist und kaufen saisonal, ökologisch oder direkt bei der Bäuerin“, erklärt dazu auch das neue „Netzwerk Gerechter Welthandel“, das im April 2017 aus der Bewegung gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA hervorgegangen ist. Auch der Katholikenrat im Bistum Trier hat sich mehrfach ablehnend zu Freihandelsabkommen in ihrer bisherigen Form geäußert (der „Paulinus“ berichtete).

Für eine gerechte Welthandelspolitik

Das Netzwerk ist ebenfalls skeptisch, dass eine weitere Große Koalition die dringend erforderliche „handelspolitische Kehrtwende“ vollziehen würde und hat in einem „Zehn-Punkte-Papier“ seine wichtigsten Forderungen für eine gerechte Welthandelspolitik zusammengefasst. Dazu gehören: keine Sonderklagerechte für Investoren, Schutz der öffentlichen und gemeinschaftlichen Daseinsvorsorge und ein Ende der Exportorientierung der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung.

Das Ende von Dumping-Exporten ist eines der zentralen Anliegen der diesjährigen Demo, die schon zum achten Mal zum Auftakt der „Grünen Woche“ stattfindet, die als die weltweit größte Schau von Herstellern und Produkten aus den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau gilt.

„Die hochsubventionierte europäische und deutsche Agrarindustrie exportiert massenhaft Milchpulver, Hühnchen- und Schweineteile und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse in afrikanische Länder“, erklärt das Netzwerk Gerechter Welthandel. „Damit zerstört sie lokale Märkte und die Existenzgrundlage von Kleinbauern und -bäuerinnen. Dieses System ist alles andere als nachhaltig! Trotzdem wird es weiter vorangetrieben – auch mit Hilfe von Handelsabkommen: Die so genannten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) verpflichten verschiedene afrikanische Länder zu weiteren Zollsenkungen, was die importierten EU-Produkte dort noch billiger machen würde.“




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