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Damals die Hölle – heute Symbol der Versöhnung

Foto: Gerd Felder
Ein virtuelles Schlachtfeld mit sich ständig verändernden Szenen steht im Mittelpunkt der Ausstellung im Mémorial.

Damals die Hölle – heute Symbol der Versöhnung

Von: Gerd Felder | 11. November 2018
Ein Besuch in Verdun 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

In leuchtendem Weiß hebt sich der Turm des Beinhauses von Douaumont vom stahlblauen Oktober-Himmel ab. Weit schweift der Blick in die Runde – über 15 000 ebenfalls weiße Kreuze an den Gräbern von französischen Soldaten hinweg. In der Mitte flattert symbolträchtig die blau-weiß-rote Trikolore der französischen Republik. Verdun ist das bildmächtigste Symbol des Ersten Weltkrieges, der im Nachbarland Frankreich nur „La grande guerre“ („der große Krieg“) genannt wird.

Vielleicht ist „Verdun“ der einzige Name aus diesem furchtbaren Krieg, der über Jahrhunderte hinweg nicht in Vergessenheit geraten wird. Längst aber ist diese Hölle wie kaum ein anderer Ort auch zum Symbol für die deutsch-französische Versöhnung und den Frieden in Europa geworden.

Am 21. Februar 1916 beginnt mit den ersten Salven des deutschen Trommelfeuers vor Verdun eine Schlacht, die sich in ihrem wesentlichen Kern über 300 Tage erstreckt und 300 000 französische und deutsche Soldaten das Leben kosten wird – ohne jedes strategische Ergebnis. „Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturmes kann sich kein Mensch einen Begriff machen, der das nicht mitgemacht hat“, schreibt der Maler Franz Marc in einem seiner letzten Briefe an seine Frau. Und ein namenloser französischer Soldat notiert: „Verdun brennt. In jedem Moment zwingt einen das Pfeifen einer Granate, sich zu ducken, um den Granatsplittern auszuweichen.“

Bereits nach vier Tagen, am 25. Februar 1916, erobern die Deutschen das Fort Douaumont durch einen Überraschungsangriff und stehen fünf Kilometer vor Verdun. In Deutschland wird dieser Sieg als entscheidende Wende im Krieg gefeiert, die Schüler bekommen einen schulfreien Tag, und alle Glocken läuten. Der französische Generalstab wird hingegen von Panik ergriffen.

Die Kämpfe dauern bis zum letzten Kriegstag an

Doch was nach einem schnellen Durchbruch aussieht, entwickelt sich ganz anders als erwartet. Am 26. Februar wird das Kommando für die Operationen in Verdun an General Philippe Pétain übertragen, der die Verteidigung auf dem rechten Maasufer völlig neu organisiert. Im März erleiden die deutschen Truppen, als sie zum Sturmangriff auf die umliegenden Höhen antreten, bis zu 70 Prozent Verluste. Mitte März begreift der deutsche Generalstab, dass seine Aktion des schnellen Durchbruchs gescheitert ist. Trotz der Überlegenheit der deutschen Truppen geraten ihre Operationen ins Stocken. Ohne ein Überraschungsmoment nutzen zu können, stehen sie nun einem Gegner gegenüber, dessen Verteidigungslinien ständig verstärkt werden. Darüber hinaus hat die Schlacht für die französischen Soldaten, die in diesem Gefecht ihr Vaterland als Ganzes verteidigen, einen hohen Stellenwert.

Die Gefechte im Mai und Juni werden mehr und mehr zur reinen Materialschlacht. Die Landschaft ist vom unablässigen Beschuss verwüstet und zerwühlt, das Schlachtfeld unglaublich zerstückelt. Die Stellungen verwischen, und die Angriffe zerfallen zu vielen Einzelaktionen von enormer Wucht. Die Soldaten im Feld haben für das, was sie bei Verdun erleben, nur ein Wort: Es ist die Hölle. Noch einmal verzeichnen die Deutschen Erfolge; dafür aber scheitert am 11. Juli eine letzte Großoffensive. Im September stellen die neuen Oberbefehlshaber, die Generäle Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, die großanlegten Operationen ein. In drei Offensiven im Herbst 1916 und im August 1917 erobern die Franzosen die verlorenen Stellungen zurück. Gekämpft wird in diesem nunmehr zweitrangigen Frontabschnitt aber noch bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918. In den letzten Wochen des Krieges drängen die inzwischen eingetroffenen US-amerikanischen Streitkräfte die deutsche Armee immer mehr zurück, bis deren Widerstand schließlich an der gesamten Front zusammenbricht.

Was ist von diesen Ereignissen, von der menschenverachtenden Brutalität dieses sinnlosen Gemetzels heute noch zu spüren? Mehr, als man sich vor dem Besuch dieser Stätten des Grauens selbst vorstellen kann. Strahlender Sonnenschein liegt auf der geschundenen Landschaft, als wir das Schlachtfeld von Verdun erreichen, aber auch eine fast unheimliche Ruhe. Kein Picknick darf hier stattfinden, kein Radio darf laufen, auch Spiele sind unerwünscht – wegen der verseuchten Erde, aber auch aus Respekt vor den unzähligen Toten, die hier, teils noch unentdeckt, ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.




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