Die Attraktion der Neumagener Fronleichnamsprozession: Der Nachbau des römischen Weinschiffs transportiert die Monstranz.
Fleißige Hände bereiten prachtvolle Blumenteppiche vor.

Ein römisch-katholisches Schiff

Fronleichnamsprozession fördert Zusammengehörigkeit und Gemeinschaftssinn

Von Christel Krein

Es ist kurz nach 8 Uhr, und in der Sakristei der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Neumagen herrscht schon reges Treiben. Die Ministranten bereiten sich auf die diesjährige Fronleichnamsprozession der Pfarreiengemeinschaft Neumagen-Dhron, Trittenheim und Papiermühle vor, bei der sie aktiv mitwirken sollen. Dabei diskutieren die Jungen und Mädchen lautstark die entscheidende Frage: „Wer von uns darf mit auf das römische Weinschiff, auf dem die Monstranz mit dem Leib des Herrn über die Mosel von Neumagen nach Trittenheim überführt wird?“ Die Gemeinde Neumagen-Dhron stellte in diesem Jahr den Nachbau des historischen Schiffs erstmals hierfür zur Verfügung.

Etwas bedächtiger geht es währenddessen bei den Frauen zu, die in den beiden Orten am Moselufer die Außenaltäre und Blumenteppiche mit farbenfrohen Blüten und viel Liebe zum Detail herrichten. „Früher hatten wir hier eine große Prozession mit vier Altären im Ort, heute gibt es nur noch diesen einen Altar, an dem wir das Sakrament in unserem Dorf begrüßen können. Von hier geht es dann gleich zum Schlusssegen in die Kirche“, erzählt eine der Helferinnen und blickt etwas wehmütig zurück auf die vergangenen Zeiten.

Fronleichnam als Fest der Gemeinschaft

Zum zweiten Mal wird der Festtag in der Pfarreiengemeinschaft in dieser Form gefeiert. „Große, Klein, Arme, Reiche drängen sich um den Altar“ – die Zeilen des bekannten Fronleichnamsliedes sind an diesem Morgen Realität beim Hochamt in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Dhron. Pfarrer Thomas Thielen verdeutlicht in seiner Predigt anhand des Liedverses, wie schön es für alle Beteiligten ist, Teil dieser großen Gemeinschaft zu sein. „Da es sich bei unseren Pfarrgemeinden um eine Pfarreiengemeinschaft handelt, soll diese Einheit auch unter uns sichtbar, spürbar und erlebbar werden. Gerade die Fronleichnamsprozession bietet hier eine ganz besondere Möglichkeit, aufeinander zuzugehen, miteinander zu feiern und die Gemeinschaft zu erleben, die uns durch Jesus Christus geschenkt wurde,“ so Thielen. „Christus ist der Mittelpunkt unseres ganzen Lebens, er ist mit uns unterwegs. Er gehört nicht nur in unsere festlich geschmückten Kirchen, sondern überall hin, wo Menschen zusammen sind und gemeinsam etwas tun: bei der Arbeit, in der Familie und in den Vereinen. Er ist das Brot des Lebens, das Speise für unsere Seele ist und unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Frieden und Gerechtigkeit stillen kann.“

Die Meinungen der Gläubigen zu einer solch großen Fronleichnamsprozession seien ganz unterschiedlich, erzählt Pfarrer Thielen. Im Zuge des größer werdenden pastoralen Räume und Einheiten seien viele liebgewonnene Traditionen in den einzelnen Pfarreien nicht mehr zu verwirklichen, Vieles auf Dauer personell nicht mehr leistbar. Deswegen gelte es neue Formen und neue Traditionen zu schaffen, die auch auf die Zukunft hin Bestand haben könnten. Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu, dass für viele Akteure in den beteiligten Dörfern die gemeinsame Veranstaltung auch ein enormer Ansporn sei, den einzigen Altar im Ort mitsamt dem Blumenteppich besonders schön zu gestalten um auf keinen Fall denen der Nachbarorte an Größe und Kreativität nachzustehen.

Viele Menschen sind aktiv beteiligt

Kindergarten, Kommunionkinder, Schützenverein, die örtlichen Musikvereine, die Kirchenchöre und Vertreter von Vereinen und Gremien wirken aktiv mit und leisten so neben vielen anderen Helfern ihren Beitrag, dass es ein gelingendes, die Einheit förderndes Fest werden kann. Im Anschluss an den Gottesdienst geleitet die Gemeinde in feierlicher Prozession das Sakrament durch die Straßen Dhrons bis zum Ortseingang nach Neumagen. Dort empfängt der örtliche Musikverein die Pilger und zieht mit festlichen Klängen und Gesängen hinunter ans Moselufer. Hier erbittet Pfarrer Thielen die Hilfe und den Segen Gottes für die Einheit der Christen weltweit. Und auch für die Einheit und Gemeinschaft der Gläubigen seiner Pfarreiengemeinschaft, dass sie die Chancen, die ihnen hier gegeben sind, zum Wohle aller erkennen und nutzen.

Schützen und Ministranten geleiten anschließend den Pfarrer mit der Monstranz auf das wartende Römerschiff, während die übrigen Gläubigen ein großes Passagierschiff besteigen oder die bereitstehenden Busse für den Transfer nach Trittenheim nutzen. Es ist ein beeindruckendes Bild, als sich die Schiffsprozession in Bewegung setzt: an der Spitze das Schiff mit den Gläubigen, gefolgt vom Sakramentsschiff, das wiederum von zahlreichen Booten aus dem Dhroner Yachthafen begleitet wird. An Deck des großen Pilgerschiffes stimmt der Neumagener Musikverein festliche Prozessionslieder an, deren Klänge von den Moselhängen widerhallen. Radfahrer, Wanderer und manche Familie im Auto unterbrechen ihre Ausflugstour, um zu erkunden, was denn da los sei auf der Mosel. „Ach ja, heute ist ja Fronleichnam“, erinnert sich wohl mancher an den eigentlichen Grund dieses arbeitsfreien Donnerstags.

Wettbewerb um die schönsten Blumenteppiche

Auch in Trittenheim haben die Altarbauerinnen ganze Arbeit geleistet und einen farbenprächtigen Blütenteppich gestaltet. Hier am letzten Außenaltar steht der Dank für Gottes Schöpfung und alles, was er den Menschen schenkt, im Mittelpunkt. Von hier zieht die fromme Schar singend und betend durch die Straßen zur Pfarrkirche St. Clemens, wo die Prozession mit einem feierlichen Schlusssegen beendet wird.

Beim anschließenden Fest der Begegnung rund um die Trittenheimer Kirche finden sich lauter zufriedene Gesichter. Die gemeinsame Organisation hat bestens geklappt, das Wetter hat gehalten, der farbenprächtige Blumenschmuck aller Altäre und Teppiche hat allgemeine Anerkennung gefunden, und auch die Messdienerinnen und Messdiener haben ihre Aufgaben gut gemacht. Und für die Jungen und Mädchen, die es nicht aufs römische Weinschiff schafften, bleibt ein Trost: nächstes Jahr ist wieder Fronleichnam.