Bistum Mainz: Vorwürfe überzogen

Fall Eisenbach: Staatsanwaltschaft prüft ohne Eile

Das Bistum Mainz sieht die in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe gegen seinen Weihbischof Franziskus Eisenbach (57) als völlig überzogen an. Weder habe der Weihbischof ein seelsorgerisches Betreuungsverhältnis zu einer Frau dazu missbraucht, sie massiv sexuell zu nötigen, noch habe er bei der Frau einen „Großen Exorzismus“, eine rituelle Teufelsaustreibung also, vorgenommen, erklärte ein Bistumssprecher laut Katholischer Nachrichtenagentur (KNA) vom 17. September dazu in Mainz. Falsch seien auch Behauptungen, wonach der Weihbischof sein Zölibatsversprechen über Monate oder gar Jahre gebrochen habe. Ebenfalls unzulässig seien Feststellungen, Eisenbach habe das Beichtgeheimnis verletzt.

Die Mainzer Staatsanwaltschaft erklärte am 18. September, die bei ihr am 15. September eingegangene Strafanzeige gegen den Weihbischof wegen sexuellen Missbrauchs im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses und wegen Körperverletzung im Rahmen von Exorszismen werde ohne Eile geprüft. Die Tatsache, dass der Beschuldigte ein Weihbischof sei, verleihe der Sache keine besondere Eilbedürfigkeit. Die Prüfung der Strafanzeige wird nach Angaben der Behörde nicht vor Anfang nächster Woche abgeschlossen sein.

Zunächst war durch eine vom Bistum Mainz am 15. September abgegebene „Erklärung an die Medien“ bekannt geworden, Eisenbach sehe sich Vorwürfen ausgesetzt, ein „seelsorgerisches Betreuungsverhältnis zu einem Mitglied der katholischen Kirche“ missbraucht zu haben. Das Bistum hatte in der Erklärung eingeräumt, dass es auf Initiative der Frau hin zu „körperlicher Zuwendung“ gekommen sei. Diözesanbischof Karl Lehmann, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, habe die Entwicklung der seelsorgerischen Begleitung missbilligt und mit Nachdruck auf eine Beendigung des Kontaktes hingewirkt. Ebenfalls am 15. September hatte der Anwalt der Frau, bei der es sich um die Mainzer Professorin für Geschichte der Naturwissenschaften, Änne Bäumer-Schleinkofer (43), handelt, bei der Mainzer Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Eisenbach erstattet wegen sexuellen Missbrauchs im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses und wegen Körperverletzung im Rahmen von Exorzismen. Nach eigenen Angaben reichte Bäumer-Schleinkofer gemeinsam mit ihrem Ehemann auch beim Vatikan eine gegen Eisenbach gerichtete Klageschrift ein wegen Verstoßes gegen das Zölibatsgesetz, Körperverletzung im Zusammenhang mit Exorzismen und wegen Verletzung des Beichtgeheimnisses. Im „hessen fernsehen“ sagte Bäumer-Schleinkofer am 16. September, sie sei dem Weihbischof völlig hörig gewesen. Bäumer-Schleinkofer hatte nach eigener Darstellung im vergangenen Jahr Eisenbach um Betreuung gebeten, wobei Visionen eine Rolle gespielt haben sollen. Eisenbach gilt gemeinhin als ein Mann von tiefer Spiritualität und als Experte in Sachen Exerzitien. Er ist im Bistum Mainz für die geistliche Begleitung der Priester und anderer hauptamtlich tätiger Seelsorger zuständig. Bäumer-Schleinkofer bekräftiget am 18. September in einer öffentlichen Erklärung ihre Vorwürfe. Ihre Strafanzeige stütze sich auf die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs im Rahmen des Anvertrautseins zu einer psychotherapeutischen Behandlung nach Paragraf 174 StGB und Körperverletzung nach Paragraf 223 StGB. Bäumer-Schleinkofer ist Vorsitzende der Ende 1998 gegründeten „Deutschen-Hildegard-von-Bingen-Gesellschaft“. Das Bestreben der Naturwissenschaftlerin, an der Universität Mainz ein Institut gleichen Namens zu gründen, fand dem Vernehmen nach nicht die Unterstützung von Bischof Lehmann. In der „Erklärung an die Medien“ des Bistums Mainz vom 15. September heißt es, jegliche von der Frau hartnäckig angestrebte berufliche Verbindung zum Bistum Mainz sei von Lehmann verweigert worden.

Anders als vorgesehen, nahm Eisenbach am 17. September nicht am traditionellen Hildegardisfest in Rüdesheim-Eibingen teil. Der Weihbischof habe sich an einen Ort begeben, wo er Ruhe zu finden hoffe, hieß es.